Die Geschichte der Mennoniten

Friesland ist eine Mennonitenkolonie im Departament San Pedro, im Norden Paraguays. Ihre Geschichte und Entwicklung kann man erst verstehen, wenn man die Geschichte der Mennoniten kennt. Diese haben ihren Ursprung in der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert gefunden.
In Europa bildete sich eine Gruppe von radikalen Wiedertäufern. Diese lehnten die Kindertaufe ab und praktizierten die Glaubenstaufe der Erwachsenen. Aufgrund ihrer friedfertigen Lebenseinstellung verweigerten sie den Kriegsdienst und forderten die Trennung zwischen Kirche und Staat. Dies führte von Seiten des Staates aber auch der Kirche zu Verfolgungen der Wiedertäufer, die eine Verteilung auf dem ganzen europäischen Kontinent zur Folge hatten.
Der niederländische katholische Ex – Priester Menno Simons sammelte und festigte viele dieser verstreuten Täufer, die bald darauf „Mennoniten“ genannt wurden.
Schon immer zeichneten sich die Mennoniten durch ihre Liebe zum Landleben heraus, sie bearbeiteten das Land um ihre Familien zu ernähren. Auf den verschiedenen Wanderrouten seit dem 16. Jahrhundert bis heute, durchzogen sie unter anderem die Niederlande, Preußen, Russland, Kanada, die Vereinigten Staaten, Mexiko, Bolivien und Paraguay. Dabei bebauten sie immer wieder schwieriges Land, das manchmal unwirtschaftlich und unbewohnt war, und machten es fruchtbar.

Geschichte der Mennoniten in Paraguay

Im Jahr 1929 verließ eine kleine Gruppe Mennoniten fluchtartig die Sowjetunion. Ein Teil dieser Gruppe gründete 1930 im zentralen Chaco die Kolonie Fernheim. Hier begannen sie in der Wildnis aus dem Nichts ihre Existenz aufzubauen.
Die Anfangsjahre in Fernheim waren extrem schwer. Die klimatischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse waren schwierig. Dies alles führte dazu, dass ungefähr ein Drittel der Bewohner Fernheims im Juli 1937 die neu gegründete Kolonie im zentralen Chaco verließ und sich nach Ostparaguay auf die Suche nach besseren Möglichkeiten begab.

Ankunft in Itacurubí del Rosario 1937

Gründungsjahr

Familien

Einwohner

Geschichte der Kolonie Friesland

Im gleichen Jahr der Abwanderung gründete diese Gruppe die Kolonie Friesland im Departament von San Pedro, 45 Km östlich vom Paraguayfluss. Der Name „Friesland“ wurde von einem der Ursprungsorte der Mennoniten in den Niederlanden und in Deutschland abgeleitet.

Seit der Gründung der Kolonie ist eines der wichtigsten Säulen der Glaube. Weitere Säulen sind die Arbeit, die Familie und die Bildung.

Auf einem Landkomplex von ca. 6911 ha siedelten 135 Familien mit ca. 750 Personen an. Die Wirtschaften und Häuser der Kolonie wurden in Dörfern angelegt.

Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Umsiedlung nach Ostparaguay mit sich bringen sollte, machte sich auch in Friesland bald das Fehlen eines geeigneten Absatzmarktes bemerkbar.

In den Jahren 1937 bis 1945 pflanzte man Baumwolle. Doch der große Erfolg mit dieser Anbaukultur blieb aus. In den Jahren 1945 bis 1955 verdienten die Friesländer ihren Lebensunterhalt als Angestellte, Handwerker und Viehzüchter. Außerdem boten sie ihre Dienste mit ihren Fuhrwerken an.

Die Ungewissheit und die wirtschaftliche Unstabilität dieser Jahre nahm vielen Kolonisten Mut und Hoffnung und brachte größere Abwanderungen mit sich.

In den 60er Jahren wurde unter großer Anstrengung und auf Grund einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung Land hinzugekauft. Die Kolonisten wurden wieder Ackerbauern und steigerten deutlich die wirtschaftliche Produktion. In den Jahren 1956 bis 1964 pflanzten die Bauern hauptsächlich Mais und vermarkteten diese mithilfe der Kooperative. Ab dem Jahr 1965 begann die Weizen- und Sojaära und brachte großen Fortschritt in die Kolonie. 1989 wurd die Direktsaat eingegeführt. Sie erhöhte die Produktion und schützte gleichzeitig die Umwelt.

Derzeit wohnen in Friesland etwa 214 Familien, das sind etwa 600 Personen.

Karte von Friesland