Zivile Vereinigung Kolonie Friesland

Mit der Gemeinschaft wurde auch die Zivile Vereinigung Kolonie Friesland gegründet, die von Siedlern für zivile Zwecke aufgebaut wurde. In den meisten Fällen sind die Mitglieder der Vereinigung auch Mitglieder der Kooperative Friesland. Der Vorsitz dieser Organisation wird gemeinsam mit dem Präsidenten der Genossenschaft ausgeübt.
Die Ziele der Zivilen Vereinigung gründen auf die gegenseitige Unterstützung, die Förderung von Bildung im christlichen Sinne, die Stabilisierung der sozialen Arbeit, die Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Mitglieder, die Zusammenarbeit in der Entwicklung bei der Nachbarschaftshilfe und die Unterstützung in der Erziehung für Jugend und Erwachsene.
Im Bildungsbereich ist die Zivile Vereinigung für die Verwaltung des Colegio Friesland verantwortlich. Die Kosten dieser Institution werden zur Hälfte von den Mitgliedern der Zivilen Vereinigung gedeckt, die zweite Hälfte wird in Form von Monatsquoten von den Schülern getragen. So ist Bildung für alle jungen Personen in Friesland möglich.
Das wichtigste Lernziel konzentriert sich auf die Wissenübermittlung basierend auf christlich-mennonitischen Werten. Ordnung, Disziplin, Kreativität und Eigeninitiative ist eine weitere große Herausforderung für die pädagogische Arbeit.
Im Bereich der Bildung wurde ein Musikförderkreis ins Leben gerufen.
Die Kommunikationsabteilung gibt ein monatliches Informationsblatt heraus, führt einen lokalen Radiosender, ein Museum und das Archiv. Durch die Website ist Friesland auch im Internet zu finden.

Zum Erholungsbereich der Zivilen Vereinigung gehören der Sportverein „Estrella“, und die verschiedenen Parks wie der Lomas, der Tapiracuai, der Pionier Park und die diversen Wanderwege.
In Bezug auf Dienstleistungen, hat die Zivile Vereinigung der Kolonie Friesland eine aktive Sozialarbeit, ein Alten- und Pflegeheim und eine Krankenversicherung.

 

 

Verwaltung der Zivilen Vereinigung

Die Zivile Vereinigung der Kolonie Friesland ist ein Zusammenschluss der Einwohner Frieslands für zivilrechtliche Angelegenheiten. Es sind größtenteils auch dieselben Mitglieder der Kooperative. Die Verwaltung der zivilen Vereinigung ist auch zugleich die Verwaltung der Kooperative. Die Aufgaben der Vereinigung bestehen unter anderem in gegenseitiger Hilfe und Beistand, in der Förderung der Erziehung im christlichen Sinne, im Unterstützen des soziokulturellen Entwicklung der Bürger, in Sozialarbeit und einer positiven Ausstrahlung auf die Bewohner in der Umgebung durch Nachbarschaftshilfe.
Die Kosten der sozialen Einrichtungen werden durch Beiträge der Mitglieder getragen. Während die Genossenschaft für das Geschäft verantwortlich ist, ist die Zivile Vereinigung für die kulturellen und sozialen Aspekte verantwortlich.

Buchhandel & Bibliothek

In dieser Abteilung wird dem Bürger ein breites Angebot von Büchern, Karten, CDs und Tischspielen zum Kauf angeboten. Das Material ist in deutscher Sprache. Auch hat der Kunde die Möglichkeit, Bücher gegen eine kleine Gebühr für eine bestimmte Zeit auszuleihen.
In Zusammenarbeit mit dem Staat funktioniert im Gebäude der Zivilen Vereinigung ein Post- und Standesamt.

 

 

Schule

In den Anfangsjahren schlossen sich die Neusiedler der Kolonie Friesland zu zwei großen Schulgemeinden zusammen, um die Unterhaltungskosten durch die Zentralisierung zu senken. Mit dem Bau dieser beiden Schulen (in Central und Großweide) wurde schon bald begonnen, und im April 1938 startete der Unterricht. Die Kinder erhielten einen geregelten Unterricht in der Muttersprache und eine geordnete christliche Erziehung. Die Schulpflicht wurde auf sechs Jahre festgesetzt und dem paraguayischen Schulsystem angepasst.
Doch die Verhältnisse für die Schüler waren schwierig. Sie besaßen keine Fahrmöglichkeit und mussten deshalb täglich bei großer Hitze einen langen Weg zu Fuß zurücklegen. Angesichts dieser Tatsachen kam man zu dem Entschluss, in den einzelnen Dörfern Schulen zu bauen (die sogenannten „Dorfschulen“). Im Jahr 1965 zählten die Bürger in Friesland sechs Schulen.
Mit dieser Dezentralisierung glaubte man anfangs, die Probleme gelöst zu haben. Doch schon bald tauchten neue Schwierigkeiten auf. Die Schülerzahl wurde wegen Auswanderungen immer geringer, sodass es nicht immer jeden Jahrgang geben konnte. Außerdem fühlten die Lehrer sich überfordert, wenn sie alle sechs Klassen in einem Raum unterrichten mussten, was in der Regel der Fall war. Nach vielen Diskussionen zwischen Eltern und Verwaltung/Lehrerschaft, die das Für und Wider einer zentralisierten Schule besprachen, kam die Vollversammlung zu dem Entschluss, das Schulsystem erneut zu zentralisieren. 1974 lief dieses Projekt an. Man sprach damals von der „Mittelpunktschule“. Beim Bau des neuen Schulgebäudes bekamen sie sowohl finanzielle als auch materielle Unterstützung aus Deutschland, und zwar von der ZfA (Zentralstelle für Auslandschulwesen) in Köln.
Nach diesen Anfangsschwierigkeiten ging es mit dem Erziehungssystem in Friesland rapide aufwärts. Die praktische Anerkennung und teilweise Eingliederung in das nationale Schulwesen begann für Friesland schon 1958. Das Kolonieamt erreichte in diesem Jahr die beantragte Anerkennung des Stoffplanes der Zentralschule durch Resolution Nº 62 des Erziehungsministerium. Zwei Jahre später war die 9. Klasse der Mittelschulausbildung vom Erziehungsministerium anerkannt. 1992 wurde dann die 10. Klasse von der gleichen Regierungsinstitution anerkannt. Im Jahre 2001 führte man erstmals den 5. Kurs des Ciclo Bachillerato und im Jahre 2002 schloss dann die erste 12. Klasse mit insgesamt fünf Schülern ihre Schullaufbahn in ihrer Heimatkolonie ab.
Die Schule wird von einem Komitee verwaltet, das aus Vertretern der Schule, der Verwaltung und der Gemeinden besteht. Die Kosten der Erziehungsinstitution werden jeweils von den Abgaben und den Schülern getragen.
Die Erziehungsziele der Schule konzentrieren sich auf Wissensvermittlung, die auf einer christlich-mennonitisch geprägten Basis beruhen. Die geistige und geistliche Förderung der Schüler soll dazu beitragen, Voraussetzungen für das weitere Leben in Bezug auf Verantwortung, Ordnung, Selbstdisziplin, Kreativität und Eigeninitiative zu schaffen, sowie auch für ein mögliches Weiterstudium. Friesland hat eine verhältnismäßig große Gruppe Studenten in der höheren Ausbildung. Alle interessierten Studenten erhalten auf Anfrage eine finanzielle Unterstützung der Kolonie in Form eines Stipendiums.

 

 

Musikförderkreis

Schon seit vielen Jahren wurde privat viel für die Förderung der Musik in der Kolonie getan. Im Jahr 2008 wurde der Musikförderkreis gegründet. Zwischen dem Musikförderkreis und der Schule besteht eine enge Zusammenarbeit.  In der Musikförderung werden u. a. Klavier, Gitarre, Querflöte, Orgel, Flöte, Schlagzeug sowie Stimmbildung von verschiedenen Lehrern unterrichtet. Der Musikförderer plant den Musikunterricht und wirbt Lehrer und Schüler an.

 

Sozialbereich

  1. Sozialarbeit
    Die Verantwortung der Sozialarbeit wird von den Gemeinden und der Verwaltung der Kolonie gemeinsam getragen. Die Arbeit wird von angestellten Sozialarbeitern und einem Sozialkomitee durchgeführt. Die Arbeit des Sozialdienstes hat eine positive Auswirkung auf die Gemeinschaft. Man arbeitet mit älteren Leuten, vermittelt Hilfe und Beratung in verschiedenen Notsituationen, betreut psychisch Kranke und fördert spezielle Personen. Außerdem werden Aufklärungsarbeiten und Bewusstmachung für das interkulturelle Zusammenleben und die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Institutionen wie Gemeinden, Schule, Krankenhaus, Ordnungsamt usw. gefördert.
  2. Mediation
    Diese Abteilung ist darum bemüht die Konfliktbeilegung in unserer Gesellschaft zu fördern. Dazu wurden Personen geschult und diese stehen im Dienst der Mediationsarbeit.
  3. Alten- und Pflegeheim
    Personen aus der Kolonie Friesland haben die Möglichkeit, ihren Lebensabend im Altenheim „Abendruh“ zu verbringen. 1994 wurde der jetzige Altenheimbau eingeweiht. Seit einigen Jahren werden hier auch Senioren betreut, die ganz von der Pflege anderer abhängig sind.

 

Sicherheit & Ordnungsamt

In der Kolonie gibt es eine Vertretung der nationalen Polizei, die bei Diebstählen, Überfällen und sonstigen Vorfällen eingreifen. Für kolonieinterne Probleme und die Verkehrsregelung ist das Ordnungsamt verantwortlich. Eine Bürgervereinigung, die sogenannte „Junta Comunal de Vecinos“, ist der verlängerte Arm der Distriktverwaltung in der Kolonie.

 

 

Kommunikationsabteilung DEC

Ziel des DEC („Departamento de Comunicación“) ist es, den Bürgern und Bewohnern der Kolonie Friesland einen lokalen, nationalen und internationalen Informationsdienst anzubieten.

  1. Informationsblatt
    Ziele des monatlichen Informationsblattes sind es, die Bürger über Geschehnisse in der Kolonie zu informieren, die Weiterbildung und Wertevermittlung zu fördern und Gelegenheit zu geben, Meinungen zu einem bestimmten Thema zu veröffentlichen. Berichtet wird sowohl von den Kooperativszweigen als auch von den Abteilungen der Zivilen Vereinigung. Ein Redaktionsteam plant monatlich die Ausgabe und ist für die Veröffentlichung derselben verantwortlich.
  2. Radio Friesland
    Seit  2006 gibt es in Friesland einen lokalen Radiosender. Diese Initiative entstand aus der Notwendigkeit einer besseren und schnelleren Kommunikation. Lokale, nationale und internationale Nachrichten können somit schnell unter die Bürger gebracht werden. Neben diesem Informationsdienst bietet der Sender verschiedene Programme und eine große Auswahl von Musik an.
  3. Webseite
    Friesland ist auch im Internet zu finden. Hier kann der Besucher Informationen zu der Kolonie erhalten, aber auch das Informationsblatt als PDF-Datei runterladen. Die Seite kann man unter dem Link www.friesland.com.py abrufen.
  4. Tourismus (Parks)
    Für Tourismus und Freizeitgestaltung findet man in der Kolonie Friesland verschiedene Plätze. Einmal ist es der Lomas Park, in dem Freizeiten, Familien-, Geburtstagsfeste und sonstige Veranstaltungen gefeiert werden. Eine schöne Umgebung, genug Schatten und ein Aufenthaltsraum bieten eine angenehme Atmosphäre. Im Sommer und besonders an den Wochenenden ist der Tapiracuay-Fluss ein beliebter und oft besuchter Ort. Hier findet man Gelegenheit zum Baden, zum Volley- und Fußball spielen und zum Grillen. Für Spaziergänge und Jogging ist der Park auf dem Molkereigelände geeignet, da hier Geh- und Fahrradwege angelegt wurden. Der Pionierpark im Herzen von Central ist ein Geschichtspark und lädt durch sein freundliches Ambiente zum Entspannen ein.
  5. Museum
    Im Museum werden Gegenstände und Fotos aus der Vergangenheit Frieslands ausgestellt: Gegenstände, die von Geschehnissen in der Geschichte der Ansiedlungszeit zeugen, und Fotos, die diese Ereignisse noch unterstreichen. Der Museumsbesucher bekommt hier einen Überblick zur Geschichte Frieslands.

 

 

Nachbarschaftshilfe

Die Kolonie Friesland hat seit ihrer Gründung schon mehrere Projekte der Nachbarschaftshilfe durchgeführt. Ziel dabei ist es, den hiesigen Nachbarn zu helfen ihren Lebensstandard zu verbessern. Durch eines der ersten Projekte wurde 1965 das Dorf „San Alfredo“ gegründet. Damals wurden 72 Familien auf einem Landstück von Friesland angesiedelt und über Jahre mit landwirtschaftlicher Beratung, Krediten, ärztlicher Betreuung begleitet. In den frühen 90er Jahren gründete man das Dorf „Colonia Amistad“, wo ca. 80 Familien eine Lebensgrundlage ermöglicht wurde. Im Jahr 1999 begann ein weiteres Projekt für Kleinbauern der Dörfer „San Alfredo“, „Ríos Rugua“ und „Costa Tapiracuai“.  Seit 2002 arbeitet Covesap in neun Ortschaften mit rund 700 Familien. Mit Hilfe von Beratung in der Landwirtschaft, Kreditvergabe, gemeinsamer Vermarktung, medizinischer Betreuung, Förderung der Kapazitäten zur Selbstverwaltung sowie der Begleitung im Bildungswesen möchte man die lateinparaguaischen Nachbarn befähigen,  ihr Lebensniveau zu verbessern.

Kooperative Carolina

Die Kooperative Carolina wurde am 7. Februar 2009, im Rahmen des Programmes COVESAP gegründet. Diese Gründung im Bereich der Selbstverwaltung war das Ergebnis eines langen Prozesses der Aus- und Weiterbildung im Bereich der Kooperative. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in der Ortschaft Carolina, im Bezirk von Itacurubí del Rosario.

 

 

Hilfe auf Gegenseitigkeit

  1. Rentenkasse
    Seit 2007 funktioniert in Friesland ein Pensionsfond. Mit der Rentenkasse kann der Bürger sich einen besseren Lebensabend planen. Die Pension ist ein regelmäßig ausbezahltes Einkommen, das durch das freiwillige, programmierte Sparen der Mitglieder angelegt wird, d.h. man zahlt einen Teil seiner Einnahmen auf ein Sparkonto ein, welche man ab 65 Jahre in monatlichen Raten während 15 Jahren zurückbezahlt kommt.
  2. Hilfe auf Gegenseitigkeit für Fahrzeuge (AMAF)
    Die „Hilfe auf Gegenseitigkeit Friesland“ ist eine Dienstleistungsabteilung der Zivilen Vereinigung, in der die Fahrzeuge vollversichert sind, d.h. Haftpflicht-, Fahrzeug- und Diebstahlversicherung. Alle Mitglieder dürfen diesen Dienst beanspruchen.
  3. Hilfe auf Gegenseitigkeit bei Krankheitsfällen (Mutual de Ayuda Hospitalaria)
    Seit 1991 gibt es die Hilfe auf Gegenseitigkeit bei Krankheitsfällen für die Bürger der Kolonie Friesland, die die medizinischen Kosten ihrer Mitglieder trägt.
  4. Abgabensystem
    Seit der Gründung der Kolonie wurden verschiedene gemeinschaftliche Einrichtungen aufgebaut und unterhalten. Die Mittel dafür, anfangs in Form von Material- und Arbeitsleistung (Zechen und Scharwerk), später in Form von finanziellen Beiträgen, wurden von den Mitgliedern eingebracht. Im Laufe der Zeit entstand so ein für die Mitglieder verpflichtendes Abgabensystem. Ziel des Abgabensystems ist es, die Beiträge für den Haushalt der Kolonie einzuziehen und verantwortlich zu verwalten.

 

 

Sportverein “Estrella”

Der Sportverein in Friesland „Deportivo Estrella“ wurde 1956 von sportbegeisterten Personen ins Leben gerufen. Im Laufe der Jahre hat er sich zu einem attraktiven Sportplatz und Beschäftigungsort entwickelt. Besonders auch für die Jugend bietet er Möglichkeiten für eine kreative Abwechslung und Freizeitgestaltung. Der Sportverein hat keine festen Mitglieder und die Kosten werden von Abgaben, freien Beiträgen und sonstigen Einnahmen getragen. Die organisatorischen Angelegenheiten werden von einem Komitee durchgeführt.

Der Sportverein besitzt ein gut beleuchtetes Fußballfeld, ein Volleyball- und Hallenfußballfeld unter einem Dach, eine ausgestattete Küche mit einer Grillanlage und einen Saal für kulturelle Veranstaltungen.